„Vernetzung von Hausarzt, Rehabilitation und Intensivmedizin verbessert Nachsorge von Patienten nach intensivmedizinischer Behandlung“

Prof. Dr. Jochen Gensichen, Dr. Konrad Schmidt für das SMOOTH-Team
Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Jena

Überlebende einer schweren kritischen Erkrankung wie der Sepsis leiden oft noch Jahre nach der Intensivtherapie unter multiplen Langzeitfolgen. Die Versorgungskette ist fragmentiert. Kernelement des vorliegenden Projekts ist die produktive Begleitung der Patienten unter Vernetzung aller Akteure wie Intensiv-, Rehabilitations- und vor allem Hausärzten. 

Begründung der Jury:

"Die reibungslose Weiterbehandlung von stationär behandelten Patienten ist im deutschen Gesundheitssystem oft nicht gegeben, die Versorgungsketten sind fragmentiert. Die Arbeit von Prof. Gensichen und seinem Team schafft eine gelungene Vernetzung aller relevanten Akteure in der Nachsorge von Patienten nach einer intensivmedizinischen Behandlung und evaluiert sie in einer randomisierten kontrollierten Studie."

Zusammenfassung

Thema der Arbeit:
Überlebende einer schweren kritischen Erkrankung (wie der Sepsis) leiden oft noch Jahre nach der Intensivtherapie unter multiplen Langzeitfolgen. Die Versorgungskette für diese Patienten ist fragmentiert. Kernelement des vorliegenden Projekts ist die proaktive Begleitung der Patienten unter Vernetzung aller Akteure wie Intensiv-, Rehabilitations- und vor allem von Hausärzten.

Relevanz der wissenschaftlichen Fragestellung für die Patientenversorgung
Bislang existiert in Deutschland keine systematische Nachsorge für die 2 Millionen intensivmedizinischen Behandlungsfälle im Jahr. Rechtzeitige Erkennung von Langzeitfolgen und Koordination der Therapie können die Versorgungsqualität nachhaltig und kosteneffektiv verbessern.

Methodik der Arbeit
In einem RCT (n=291) wurden Überlebende einer schweren Sepsis proaktiv in einem kollaborativen Programm über zwei Jahre begleitet. Case Manager, Liaison-, Fach- und Hausärzte wurden zu EbM-basierter Diagnostik und Therapie geschult und in ein vernetztes Versorgungskonzept  eingebunden.

Relevanz der Ergebnisse
Von einer Verbesserung der motorischen Funktion und alltäglicher Tätigkeiten profitiert jeder einzelne Patient. Wissenschaftliche Erkenntnisse können neue therapeutische Optionen ermöglichen. Daten zur Implementierung tragen zu einer Qualitätsverbesserung der Nachsorge in Deutschland bei.

Praktische Umsetzbarkeit
Mit Entlassungsmanagement,  Schulung und Monitoring ließen sich in der Studie wirksame Elemente (analog einem DMP Programm) in 20 Kliniken und 320 Hausarztpraxen umsetzen. Eine elektronische Version der Monitoringliste wird derzeit in einem regionalen Kliniknetz (MSA) implementiert.

Prof. Dr. med., Dipl.-Päd. Jochen Gensichen, MPH

Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Gensichen ist Mediziner und Wissenschaftler. Er studierte Pädagogik und Medizin an der Universität zu Köln sowie Gesundheitswissenschaften / Public Health an der Medizinischen Hochschule Hannover. 1999 erhielt er seine Approbation als Arzt. Nach der Promotion in Köln absolvierte er die klinische Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Frankfurt a.M. und arbeitete wissenschaftlich an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und an der Goethe-Universität in Frankfurt a.M. Er forschte an der University of Washington und am Group Health Research Institute in Seattle / WA und habilitierte sich 2010 in Frankfurt a.M. Seit 2008 ist Gensichen Universitätsprofessor für Allgemeinmedizin und Gründungsdirektor des gleichnamigen Instituts am Universitätsklinikum Jena der Friedrich Schiller-Universität Jena. Gensichen ist seit 2013 Vorstand der Stiftung Allgemeinmedizin.

Dr. Konrad Schmidt

Erweiterte Institutsleitung, Koordinator Rotationsprogramm AIW

Dr. med. Konrad Schmidt ist Facharzt für Allgemeinmedizin und ärztlicher Studienleiter der SMOOTH-Studie am Institut für Allgemeinmedizin der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er studierte Medizin an den Universitäten von Hannover, Freiburg und San Diego (USA) und promovierte 2001 bei Prof. Niels Birbaumer an der Universität Tübingen. Seine klinische Weiterbildung absolvierte er in Potsdam und Brandenburg, wo er noch heute in Teilzeit als Hausarzt arbeitet. Seit 2009 lehrt und forscht Schmidt am Jenaer Institut für Allgemeinmedizin, unter anderem ist er in der erweiterten Institutsleitung und als Koordinator der Facharztweiterbildung am Universitätsklinikum tätig. Er ist Gründungsmitglied der jungen Allgemeinmediziner Thüringens (Thuja) und war von 2010 bis 2014 nationaler Koordinator eines internationalen Austauschprogrammes für Allgemeinmediziner (Hippokrates/ Vasco da Gama).